Mehr Geld!?

Sechs Prozent mehr Gehalt, ein Recht auf Teilzeit bei teilweisem Lohnausgleich und einen freien Tag vor der Abschlussprüfung für Auszubildende – dies alles fordert die IG Metall aktuell für ihre Mitglieder. Doch wie kann man das durchsetzen? - Dieser Frage wollten wir, die WSG-W-Klassen 10B und 10C, nachgehen.

Hierzu trafen wir uns am Freitag, den 02. Februar 2018, beim Grammer-Werk in Haselmühl, wo die Gewerkschaft an diesem Tag einen Warnstreik durchführte. Bereits am Werkstor erkannten wir, dass an diesem Tag nicht gearbeitet wurde: Es war durch Zäune versperrt.

Auf dem Parkplatz wurden wir durch Vertreter der Gewerkschaft begrüßt. Der Betriebsratsvorsitzende des Standorts stellte uns das Unternehmen kurz vor: 2100 Mitarbeiter im Raum Amberg, drei verschiedene Unternehmensbereiche. Er erklärte uns, dass vor Ort am Tag normalerweise 3000 Sitze für Land- und Baumaschinen produziert würden. Fiele ein Tag aus, reiche die Schlange der dann nicht produzierten Fahrzeuge bis München. Daher könne ein Streik einen nicht unerheblichen Druck auf die Arbeitgeber ausüben. Die IG Metall habe sich erstmals dazu entschieden, 24-stündige Warnstreiks durchzuführen. Es geschähe also „Historisches“.

Anschließend brachte uns ein junger Mitarbeiter der Gewerkschaft, Martin Spengler, weitere Inhalte näher. Zunächst sollten wir uns in Gruppen überlegen wie ein Horror- bzw. Traum-Arbeitsplatz für uns aussähe. Es standen sich Gehälter von 1200 Euro und 4000 Euro, vier und acht Wochen Urlaub sowie schlechte Kantinen und kostenlose Fitnessstudios und Gebetsräume gegenüber („Interessensgegensatz“).
Leider, so der Gewerkschafter, sei aber die Traum-Vorstellung für den Arbeitgeber teurer und daher wenig attraktiv. Gemäß des im Unternehmen vorherrschenden Hierachieprinzips könnten Arbeitnehmer ihre gegensätzlichen Interessen auch nur schwer durchsetzen. Allerdings gebe es dafür Lösungen: Das Demokratieprinzip der betrieblichen Interessensvertretung (Betriebsrat) und die Bündelung der Interessen. Diese, erläuterte Herr Spengler, könnte übergreifend durch Gewerkschaftsverbände erfolgen.
Eine Gewerkschaft nehme unterschiedlichste Aufgaben wahr: Tarifverhandlungen, Rechtsberatung für die Mitglieder, Fortbildung der Mitglieder, Information der Öffentlichkeit und Politik sowie vieles mehr.
Man unterscheide zwischen Spartengewerkschaften für eine einzelne Berufsgruppe und Branchengewerkschaften für eine gesamte Branche.
Das Streikrecht als ein zentrales Instrument zur Durchsetzung der Anliegen der Gewerkschaften sei durch das Grundgesetz garantiert. Allerdings müsse auch bei Arbeitskampfmaßnahmen stets die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden, ein unbefristeter Ausstand sei also beispielsweise unzulässig. Außerdem seien auch politische Streiks unzulässig.
Die tariflichen Forderungen der Gewerkschaften bestünden stets aus drei Komponenten: einem Inflationsausgleich, einem Ausgleich für erhöhte Produktivität und einer Umverteilungskomponente. Deshalb möge die Forderung der IG Metall in der aktuellen Tarifrunde zunächst hoch erscheinen, effektiv sei es aber nur ein Zuwachs von rund 1,5 Prozent.

Kurz vor Schluss erfuhren wir noch etwas zum Tarifeinheitsgesetz: Dieses sehe vor, dass bei konkurrierenden Tarifverträgen in einem Betrieb nur der Abschluss der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern Gültigkeit habe.
Abschließend hatten wir noch die Möglichkeit, Fragen zu stellen, z.B. wie es zu einer übertariflichen Bezahlung komme.

Wir waren auch davon überrascht, welch ein Aufwand für die Versorgung der Streikenden getrieben wurde: Feuerkörbe, ein Zelt, Essen und Getränke standen ihnen - und auch uns - zur Verfügung, sodass das Streiken bzw. die Exkursion trotz der eisigen Temperaturen relativ erträglich war.

Einen Streik hautnah vor Ort erlebt zu haben, machte die im Unterricht behandelten Informationen deutlich lebendiger – insgesamt fanden wir die Exkursion eine gewinnbringende Erfahrung.

Christoph Lösch (10b)